Sprechwissenschaft

     

    Was ist Sprechwissenschaft bzw. Sprecherziehung eigentlich?

    Sprechwissenschaft und Sprecherziehung befassen sich mit dem Sprechen in kommunikativen Prozessen. Fragen, die sich stellen sind u.a.: Wie sagt eine Person etwas? Wie nehmen es die Gesprächspartner der Person auf? Welche Wirkung entsteht?

    Aufgaben der Sprechwissenschaft sind die wissenschaftliche Reflexion der Abläufe, die Analyse der Prozesse und die Untersuchung beeinflussender Faktoren der mündlichen Kommunikation. Somit thematisiert die Sprechwissenschaft spezifisch die sprechsprachliche Kommunikation und befasst sich mit ausgewählten Aspekten der Sprech-, Hör- und Verstehenstätigkeit von Menschen im Rahmen kommunikativer Prozesse.

    Mündliche Kommunikation zwischen Menschen ist ein sehr komplexer Untersuchungsgegenstand. Aus diesem Grund gibt es zahlreiche Überschneidungen mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen (vor allem mit Disziplinen der Sprach- und Literaturwissenschaften, Sozial- und Verhaltenswissenschaften und der Medizin). Grundlegende Erkenntnisse solcher angrenzenden wissenschaftlichen Fachgebiete beeinflussen somit sprechwissenschaftliche Untersuchungen. In gleicher Weise fließen jedoch auch sprechwissenschaftliche Erkenntnisse in die Forschung zum Verständnis menschlicher kommunikativer Prozesse mit ein. Sprechwissenschaftler arbeiten also häufig interdisziplinär.

    Ziel der Sprechwissenschaft ist es, mündliche Kommunikation in ihrer vielschichtigen Komplexität zu analysieren und durch entsprechende Theoriebildung und Modellierung verstehbar zu machen. Neben diesem Forschungsziel stellt sich die Sprechwissenschaft/Sprecherziehung ebenso der Aufgabe der Vermittlung sprecherzieherischer und sprecherischer Handlungskompetenz. Sprecherziehung als angewandte Wissenschaft befasst sich demnach sowohl mit der Methodik als auch der Didaktik mündlicher Kommunikation und ihrer Inhalte. Vorherrschendes Lernziel ist die Verbesserung der Sprech- und Gesprächsfähigkeit. Sprecherziehung ist stark zielgruppen- und themenbezogen und bearbeitet fünf große Bereiche:

    • Sprechbildung: Ausbildung einer physiologischen Atmung, Artikulation und Stimmgebung
    • Sprechtherapie: Diagnose und Behandlung von Sprach-, Sprech-, Stimm- und Hörstörungen
    • Rhetorik: Entwicklung und Förderung der Rede-, Gesprächs- und Argumentationsfähigkeit
    • Sprechkunst: Ausbau der Fähigkeit, literarische Texte (Prosa, Lyrik, Drama) situations- und textangemessen zu gestalten und vorzutragen
    • Mediensprechen: Förderung des Sprechens in und mit den Medien (Rundfunk, TV)

    (vgl. Neuber et al. 2003)

    Aufgabe des Sprecherziehers/Sprechwissenschaftlers ist es demnach, die Sprech- und Redefähigkeit von Personen, die in ihren beruflichen Tätigkeiten darauf in besonderer Weise angewiesen sind, durch gezielte Trainingsmaßnahmen zu schulen, zu verbessern und auf hohem Niveau zu halten (vgl. Blätter zur Berufskunde, Bd. 3).

    Arbeitsgebiete und Berufsfelder für Sprechwissenschaftler und Sprecherzieher können sein:

    • An Hochschulen und Universitäten als wissenschaftliche Mitarbeiter,
    • Für private und öffentliche Bildungsträger als Referenten,
    • An staatlichen und privaten Schauspielschulen und Musikhochschulen als Sprecherzieher,
    • An verschiedenen Bildungseinrichtungen im In- und Ausland als Phonetiktrainer und Lehrer für Deutsch als Fremdsprache,
    • In Kliniken und logopädischen Praxen als Therapeuten.


    Literatur

    ImpressumHaftungsausschlussWebmaster    © September 2004, letzte Aktualisierung: 05.11.2007